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Wussten Sie schon? Schuldentilgung vor Sparen sinnvoll!

Die EU-Verbraucherkreditrichtlinie wurde im Jahr 2010, genau genommen am 11. Juni 2010, in deutsches Recht umgesetzt. Durch diese Kreditrichtlinie wurden neue Begriffe geschaffen, bspw. der Sollzins, Nettodarlehensbetrag, ein Bruttodarlehensbetrag gibt es nicht in diesem Gesetz, worüber Prof. Bockholt in unserem Beratungsbrief schon damals (Ausgabe 2010-4) im Rechentraining berichtete. Mir geht es in diesem Beitrag um die weitaus einfachere Kündigung von Verbraucherkrediten, die ab dem 11. Juni 2010 abgeschlossen wurden. Achtung: Dabei handelt es sich nicht um Darlehen, die von der Sicherung eines Grundpfandrechts abhängig gemacht wurden. Konkret: Es geht nicht um Immobiliendarlehen sondern um Konsumentenratenkredite.

Sie werden als Berater oft auf Kunden stoßen, die noch Schulden haben. Hier eine Autofinanzierung bei der Hausbank, dort noch ein Konsumkredit. Auf der anderen Seite und das ist im Finanzsinne absolut unverständlich, wird gespart. Manchmal auf gering verzinsten Sparbüchern, Tagesgeldkonten oder auch in eine Lebens- oder Rentenversicherung, die weniger Zinsen bringen als der Kredit kostet. Hierauf sollten, nein, müssen Sie den Kunden hinweisen. Denn es zählt:

Erst Schuldentilgung, dann Sparen!

Wer diese Regel nicht beachtet, schenkt Banken und Versicherungen bares Geld. Wer teuer Geld leiht und es günstig verleiht, dem ist wohl nicht mehr zu helfen – so könnte man meinen. Helfen Sie jedoch konsumkreditgeplagten Kunden, denn schließlich verdienen Sie später mehr, wenn der Kunde auch mehr auf die hohe Kante legen kann.

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Zur rechtlichen Seite: Die neue Verbraucherkreditrichtlinie macht es möglich, Kredite teilweise oder auch voll zurückzuzahlen. Hierzu §500 (2) BGB:

Der Darlehensnehmer kann seine Verbindlichkeiten aus einem Verbraucherdarlehensvertrag jederzeit ganz oder teilweise vorzeitig erfüllen.

Sehr gut! Das Recht der Rückzahlung hat also der Kreditnehmer. Doch wie sieht die Pflicht aus, also Strafgebühren – konkret eine Vorfälligkeitsentschädigung. Auch das ist mit einer konkreten Höhe – und das ist neu – im Gesetz festgeschrieben. Nun gibt es klare Regeln und diese sind Verbraucherorientiert. Sehen wir in § 502 (1) BGB:

Der Darlehensgeber kann im Fall der vorzeitigen Rückzahlung eine angemessene Vorfälligkeitsentschädigung für den unmittelbar mit der vorzeitigen Rückzahlung zusammenhängenden Schaden verlangen, wenn der Darlehensnehmer zum Zeitpunkt der Rückzahlung Zinsen zu einem bei Vertragsabschluss vereinbarten, gebundenen Sollzinssatz schuldet. Die Vorfälligkeitsentschädigung darf folgende Beträge jeweils nicht überschreiten:

1. 1 Prozent beziehungsweise, wenn der Zeitraum zwischen der vorzeitigen und der vereinbarten Rückzahlung ein Jahr nicht übersteigt, 0,5 Prozent des vorzeitig zurückgezahlten Betrags,

2. den Betrag der Sollzinsen, den der Darlehensnehmer in dem Zeitraum zwischen der vorzeitigen und der vereinbarten Rückzahlung entrichtet hätte.

Das hört sich doch sehr verbraucherfreundlich an. Er zahlt eine festgelegte Vorfälligkeitsentschädigung, diese ist jedoch auf die Höhe der in Zukunft zu zahlenden Sollzinsen begrenzt. Der Verbraucher kann also nur gewinnen.

Beispiel: Ihr Kunde hat Anfang 2011 (vor genau 12 Monaten) einen Kredit über 10.000 Euro aufgenommen, zu einem Zins von 6,9 % effektiv. Monatlich zahlt er eine Rate von 307,36 Euro. Sie erkennen auf dem Bestandaufnahmebogen des Kunden: Er hat auf einem Tagesgeldkonto, welches 1,5 % Zinsen bringt, einen größeren Betrag liegen – für Notfälle, so sagt er. Für die Altersvorsorge möchte er erst beginnen zu sparen, wenn der Kredit nach 24 Monaten vollständig getilgt ist. Geben Sie sich mit dieser Antwort zufrieden?

Das sollten Sie nicht. Fragen Sie den Kunden, ob er einen Zins von rund 5 % bei einer Bank erhalten möchte? Ganz sicher – wie bei seinem Tagesgeldkonto – selbstverständlich! Er staunt und möchte genaueres von Ihnen wissen. Sie nehmen Ihren Finanzrechner – Software oder Taschenrechner – aus der Tasche und beginnen zu rechnen:

  • Restschuld des Kredits liegt aktuell bei 6.886 Euro.
  • Zahlt er die Restschuld morgen an die Bank zurück, müsste er (aufgrund der Restlaufzeit von mehr als 12 Monaten) 1 % Vorfälligkeitsentschädigung zahlen = 68,86 Euro.
  • Würde er das Darlehen normal über weitere 24 Monate abzahlen, zahlt er insgesamt 490 Euro an Zinsen.

STOPP! Für die Verkaufspraxis sollten Sie nun einen kurzen Zwischenstopp einlegen. Bevor Sie dem Kunden Ergebnisse mitteilen oder überhaupt mit jeglichem Rechnen beginnen, fragen Sie ihn:

„Lieber Kunde. Wenn wir es heute schaffen Ihre monatlichen Kreditkosten zu verringern, sind Sie dann auch heute schon bereit, für Ihre Altersvorsorge zu sparen? Hier brauche ich ein klares Ja!“

Bitte formulieren Sie es mit Ihren Worten, sodass es Ihnen gefällt und mit dem Sie sich wohlfühlen. Wichtig ist, dass der Kunde schon vorher sein Einverständnis gibt – Prof. Dr. Kriebel nennt es auch „Sag Du es als erster“ (vgl. Ausgabe 2010-5). Tut er es nicht, rechnen und rechnen Sie und am Ende sagte der Kunde: „Ich überlege es mir…“ oder „Für die Altersvorsorge möchte ich später zu sparen beginnen.“ Dann haben Sie umsonst gerechnet und nichts verdient.

Zurück zum obigen Beispiel und dem Vergleich: Er zahlt heute rund 6.955 Euro (Restschuld + Vorfälligkeitsentschädigung) um den Kredit abzulösen, dadurch spart er monatlich 307,36 Euro über 24 Monate. Am Ende ist das Geschäft ausgeglichen und liegt bei Null.

Der Effektivzins liegt bei diesem Geschäft bei 5,86 %.

Nun fragen Sie den Kunden, ob er den gesamten Betrag von rund 7.000 Euro aufbringen kann. Auch ein Teilbetrag hilft schon weiter, um einen besseren Zins als auf dem Tagesgeldkonto zu erzielen.

Den Betrag, den er durch die weggefallene oder verminderte Kreditrate spart, können Sie weiterverwenden. Da er schon zugestimmt hat, den Betrag für die Altersvorsorge zu verwenden, tun sie das auch so – hier war es wichtig, die Regeln vorher festzulegen. Wichtig jedoch: Er hatte das Tagesgeldkonto sicherlich für einen bestimmten Zweck. Diesen müssen Sie herausbekommen. Evtl. müssen Sie den Deal „Hälfte Hälfte“ mit dem Kunden machen. Sprich, die Hälfte auf das Tagesgeldkonto sparen, die andere Hälfte für einen guten Sparvertrag für den späteren Zeitpunkt.

Zum Ende dieses Artikels noch eine gute Info für die Vorfälligkeitsentschädigung, wie es ebenso im §502 BGB steht:

(2) Der Anspruch auf Vorfälligkeitsentschädigung ist ausgeschlossen, wenn

1. …

2. im Vertrag die Angaben über die Laufzeit des Vertrags, das Kündigungsrecht des Darlehensnehmers oder die Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung unzureichend sind.

Auch das ist „sehr nett“ vom Gesetzgeber geregelt. Wenn die Bank („aus Dummheit“) nicht vollständige Angaben in den Vertrag reinbringt, darf sie auch keine Strafe verlangen. Schauen Sie doch einfach mal in die Kreditverträge Ihres Kunden.

Konkret: Schuldentilgung muss vor Sparen erfolgen – gerade in Zeiten niedriger Sparzinsen. Die im Jahr 2010 eingeführte Verbraucherkreditrichtlinie und die Umsetzung in deutsches Gesetz helfen geradezu dabei, Verbraucherkredite unkompliziert abzulösen. Neben Zettel, Stift und BWK Business benötigen Sie in diesem Fall lediglich noch das BGB-Gesetzbuch.

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